Gastartikel von Jekylla

Hurra, endlich ist es soweit: der erste Gastbeitrag auf Infrasanktpauli erscheint! Geschrieben hat ihn die gute Jekylla, eines der ersten Infra Sankt Pauli Mitglieder überhaupt. Vielen Dank und ab dafür:

Hommage an eine Bezugsgruppe

Was würde zu Infra Sankt Pauli und den Bestrebungen nach einem harmonischen, entspannten Miteinander besser passen als eine kurze, aber hochemotional-anlehnungsbedürftige Betrachtung der Bezugsgruppe an sich und meiner Bezugsgruppe im Speziellen? Eben.

Die „Affinity Group“ denn natürlich gibt es auch was in Englisch, ist also ein meist geschlossenes System. Genau an dieser Stelle muss ich Einspruch erheben, zumindest was meine Bezugsgruppe –auch liebevoll „Schnarchnasen Süd“ genannt- angeht. Der feste Stamm besteht aus sechs Personen im Stadion, immer mal einem Frischgesicht, wenn jemand verhindert ist und ganz vielen Affinity-Affinen, die aufgrund anderer Stell- bzw. Sitzplätze nach dem Stadionbesuch noch einen Freuden- oder Leidensabsacker mit uns teilen. Und so sehr ich Spiele am Millerntor liebe, ohne meine Bezugsgruppe wäre es nicht das Gleiche. Erst recht nicht das Selbe.

Wir sind sechs völlig unterschiedliche Menschen, mit unterschiedlichen Interessen, unterschiedlichen Ansichten, unterschiedlichen Lebensbereichen, treffen uns persönlich fast zu 1910% nur zu St. Pauli-bedingten Anlässen, wohnen teilweise Hunderte von Kilometern voneinander entfernt und dennoch sind wir uns so nah wie Menschen, die sich ein Leben lang kennen. Und alles wegen der Liebe zum gleichen Verein. Wir jubeln gemeinsam, wir leiden gemeinsam, wir freuen uns jedes Mal, wenn es heißt „Treffpunkt …. Uhr Maredo“. Wir haben Rituale, wie sich das gehört, jemanden, der immer zu spät kommt, auch wenn er meistens pünktlich ist. Das ist irgendwie wie ein romantisches Rendezvous, es wird jedes Mal begleitet von der Grundaufregung vor einem Spiel und im Unterschied zum romantischen Rendezvous verliert es niemals an Reiz. Und wenn die Bezugsgruppe mal durch ein temporäres Mitglied komplettiert wird, ist es auch spannend, jemand Neues kennenzulernen. Und  -zumindest hatte ich bisher das Gefühl- wird dieser „Jemand Neues“ sofort absorbiert in der Gruppe und ist wenigstens für dieses eine Spiel ein Teil von uns.

Die Wichtigkeit der Bezugsgruppe für mich ist spätestens seit dem legendären Bollerwagengrillen anlässlich des Südkurven-Saisonkarten-Anstehens klar geworden. Obwohl ich die Möglichkeit gehabt hätte, mich bei Bekannten weiter vorne einzureihen, war die Entscheidung klar: nicht ohne meine Bezugsgruppe. Alle oder keiner. So sind wir zwar alle ohne eine dieser mittlerweile zu Wucherpreisen angebotenen Karte, aber dann eben vereint im Schicksal. Und das Schöne ist: ich glaube fest, dass die anderen das genauso gehandhabt hätten. Sicher werden wir es in dieser Konstellation nicht sehr oft vollzählig schaffen, den Heimspielen beizuwohnen und so wird es nicht sein, wie es war und drum eben nur noch halb so schön. Oder ein Drittel so schön. Aber dann schauen wir es eben gemeinsam auf SKY. Oder im Clubheim. Oder auf twitter mit dem großartigen AFM-Webradio und einem Stream. Und hoffen drauf, dass wir irgendwann wieder vereint in einer Kurve stehen. Und das Bollerwagengrillen war einer der schönsten Events am Rande des Fußballgeschehens, den ich nie vergessen werde, vielleicht auch gerade wegen des traurigen Ausgangs dieses an sich wunderbaren Tages. Als wir gemeinsam warteten.

Ich danke meiner Bezugsgruppe für unfassbar großartige, gemeinsame Momente in den letzten Jahren und freue mich auf weitere. Bald. Bestimmt. So oder so.

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